Hallo an Alle,

 

ich möchte hier ein bisschen über meine Erfahrungen mit Hyperhidrose sprechen. Selbst habe ich mich bis vor wenigen Tagen wenig mit den Erfolgsgeschichten befasst, aber ich hoffe, dass meine Reise einigen Hoffnungen machen kann oder vielleicht Tipps enthält, die das Leben einfach machen. 

Ich leide an Hyperhidrose seitdem ich ein kleines Kind bin. Am Anfang hat es sich auf starkes Schwitzen an den Handflächen beschränkt und mich wenig belastet. Irgendwann haben meine Eltern mich auf meine feuchten Hände angesprochen und mir ein Iontophorese Gerät bestellt. Als 8 jähriger Junge habe ich dieses als nervig empfunden und das Brennen an offenen Stellen und der Aufwand haben mich gestresst. Aber es hat geholfen und das Schwitzen reduziert. Darauf folgten ein paar Jahre, in denen Schwitzen für mich kein großes Thema mehr war. In der Oberstufe meiner Schulzeit hat mich eine verschwitzte Stirn gestört. Zudem mussten wir eine Schuluniform (inklusive Hemd tragen), welches häufig unangenehm wurde. Aber seit nun 1,5 Jahren ist das Schwitzen zu einem größeren Thema geworden. Letzten Sommer hatten wir eine große Prüfung und ich saß viel an meinem Schreibtisch, in Bibliotheken oder in Seminaren, in welchen meine schwitzigen Hände, das Schreiben auf Papier oder langes Verwenden einer Tastatur das Leben beinahe unerträglich gemacht haben. Ihr wisst wovon ich spreche...

Besonders belastend war - und ist - für mich das Wissen mit einer chronischen Krankheit zu leben. Aber - und das möchte ich besonders betonen - ich habe nun seit einiger Zeit das Gefühl, dass ich mir mehr damit abfinden kann und ein aktives "Bekämpfen" der Symptome immer besser funktioniert.

Letztes Jahr im Frühling habe ich mich einer Botox-Therapie der Handflächen bei Dr. Schick in München unterzogen. Die vorrangehende Anästhesie hat gut funktioniert (auch wenn die Busfahrt vom Anästhesisten zu Dr. Schick mit "hochgehaltenen Händen" sicherlich nicht meine unkomplizierste war ^^). Aber das Schwitzen an den Händen war reduziert und ich konnte wieder auf Papier schreiben ohne eine feuchte Lache und verschmierte Tinte zu hinterlassen. Dies schien für mich allerdings, aufgrund der Kosten der Anästhesie und der "kurzen" Wirkdauer der Behandlung (für mich ca. 6 Monate), nicht wie eine permanente Lösung. Daher entschied ich mich für eine ETS, auch um das Schwitzen auf meiner Stirn zu reduzieren. 

Die ETS fand coronabedingt erst im November statt und klappte nicht perfekt. Der 3-tägige Krankenhaus Aufenthalt war anstrengend und die postoperativen Schmerzen plagten mich doch ziemlich. ABER meine Hände waren trocken und das Schwitzen auf der Stirn hat sich ebenfalls verbessert. Allerdings verstärkten sich nach der OP meine postoperativen Schmerzen noch mehr und es sammelte sich Wundflüssigkeit im Spalt zwischen Lunge und Lungenhaut. Dies führte dazu, dass meine Lungenhaut punktiert werden musste und ich einige Male zum Pneumologen ging. Die Klinik Dr. Decker (+Dr. Schick) waren sehr hilfreich und haben nach der OP einige Male per Röntgen überprüft, ob es zu einem Pleuraerguss im typischen Sinne kam - was nicht der Fall war. 

Nun gut. Alles in Allem nicht angenehm, aber mir zu dem Zeitpunkt relativ egal, da das Ergebnis mich so überzeugte. Nun ein kleiner Sprung zum Frühling 2021. Ich beginne in einem Labor zu arbeiten (KIttel, viel Hitzeentwicklung in Räumen). Mein Schwitzen an den Händen wurde seit OP wieder ein wenig mehr, aber ist weiterhin ertragbar. Das Schwitzen auf der Stirn allerdings nimmt jetzt überhand und auch das kompensatorische Schwitzen (Oberbauch +++, Rücken ++) wird ziemlich nervig. Ich kann mich kaum konzentrieren, wenn meine Schweiß Anfälle beginnen und renne alle 15 Minuten auf Toilette um mir den Schweiß mit Tüchern abzutupfen. Daher wende ich mich wieder an Dr. Schick und bestelle Oxybutynin. Dieses wirkt SUPER. Ich habe es auch vor der ETS schon einmal ausprobiert, aber die Wirkung lies nach einiger Zeit leider nach (vermutlich da ich die Tabletten nicht sachgemäß gelagert habe). Ich nehme momentan morgens zwei mal eine halbe Tablette und dann nachmittags nochmals 2-3 mal eine halbe Tablette und bleibe dadurch auf Stirn und an den Händen schweißfrei. Das Schwitzen an Brust und Rücken wird dadurch nicht gestoppt, aber dieses habe ich mit Unterhemden relativ gut im Griff. 

Meine Kleidung habe ich beinahe ausschließlich auf weiße und schwarze Tshirts umgestellt. Unter diesen trage ich Baumwollunterhemden. Bei über 24 Grad kurze Hosen und sonst Jeans. Momentan funktioniert diese Kombinationstaktik (ETS, Oxybutynin und Kleidung) für mich sehr gut. Ich schaue mich jetzt noch nach Antitranspiratien um, die dieses Schema eventuell noch augmentieren können. Auch habe ich die psychotherapeutischen Möglichkeiten noch nicht erschöpft. Als weitere Eskalationsstufen stehen ja desweiteren noch MiraDry, Schweißdrüsenentfernungen oder möglicherweise wieder Botox-Behandlungen zur Verfügung. 

Was die Psyche angeht, habe ich hauptsächlich auf eigene Faust Fortschritte gemacht. Wenn es zu einem Schweißanfall kommt und ich mich immer mehr auf mein Schwitzen konzentriere, beginne ich Gegenstände um mich zu zählen, mit den Zehen zu wackeln oder über komplett andere Dinge nachzudenken. Dies funktioniert limitiert und muss teils noch von kurzen Pausen und "Notfallspaziergängen" unterbrochen werden, aber es wird besser. Außerdem möchte ich in den nächsten Wochen beginnen meinen Kaffee Konsum zu reduzieren und versuchen auf größere Mahlzeiten zur Mittagszeit - zumindest über die Sommermonate - zu verzichten. 

Das Wichtigste: Ich bin motiviert diese Krankheit in den Griff zu bekommen und nicht nachzugeben. Ich war definitiv teilweise an Punkten, an denen mir die Lage aussichtslos erschien. Aber in meinem persönlichen Fall bin ich zuversichtlich es durch eine Vielzahl von Maßnahmen zu meistern. Jeder Tag an dem mich mein Schwitzen nicht auf der Arbeit belastet, ich Essen kann ohne Schweißperlen auf der Stirn zu haben oder vor Kollegen/Freunden spreche und nicht über Schweißflecken nachdenken muss, ist ein schöner und ich hoffe, dass es so bleibt. Ich halte euch auf dem Laufenden. 

 

Liebe Grüße :) 

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