Auch diesen Beitrage erlaube ich mir aus dem alten hh-forum zu kopieren, weil man davon sehr wenig liest (und bei mir der Zusammenhang zwischen Schwitzen und Verspannungen sehr stark ist).

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  • AW: Hyperhidrose und Verspannungen

    von » 2 Wochen her


    Mein Beitrag vom 27. Dez. 2021:

     

    Ein Thema, das mich sehr beschäftigt und ich immer wieder erstaunt bin, dass man nicht mehr davon liest. Deshalb will ich jetzt mal den Anfang machen.

    Für mich gehört das zusammen, Hyperhidrose und Verspannungen. Ich habe neben der Hyperhidrose spätestens in der Pubertät chronische Schmerzen entwickelt. Erst v.a. im Nacken, dann auch an anderen Stellen im Körper. Leider auch sehr belastend. Neben der lange erfolglosen Suche nach einer wirkungsvollen HH-Therapie kamen viele Abklärungen zum Rücken und zu den Schmerzen dazu. Gefunden wurde nichts, kein Rheuma, keine Diskushernie, kein Nervenproblem. Mein Vertrauen in die Ärzteschaft schwand immer mehr bzw. sagte ich mir, dass es halt Leiden gibt, die man nicht behandeln kann.

    Das einzige, was gefunden wurde, waren verspannte Muskeln und Faszien, dazu Fehlhaltungen. Für mich war immer klar, dass es einen Zusammenhang zur Hyperhidrose gibt. Heute sehe ich ziemlich klar:

    - Die psychische Anspannung und sozialen Schwierigkeiten, die mit nassen Händen einhergehen, führen zu physischen Anspannungen.

    - Ich kann mich noch genau an meine Gedanken in einer sozialen Stresssituation erinnern - es war im Gymnasium oder an der Uni. Ich habe meine Muskeln angespannt und merkte, dass ich den Stress so besser ertrage. Die Anspannung war also mehr oder weniger bewusst gemacht (wobei ich überhaupt nicht finde, dass ich selber schuld war - für die Hyperhidrose, die Ursache des Stress', kann ich ja nichts).

    - Es ist aber nicht nur die psychische Anspannung, und das, denke ich, wird oft unterschätzt. Hyperhidrose heisst ja auch, dass man an Körperstellen kalt hat, die sonst warm wären. Gerade im Winter, manchmal auch im Sommer. Ist zu erwähnen, dass ich HH an den Händen, Füssen, Achseln und im Schritt habe. Und Kälte führt bekanntlich zu Verspannungen. V.a. auch diese nasse Kälte und wenn sie direkt auf oder in der Haut ensteht.

    - Ich merkte auch, dass ich mit nassen Händen die Dinge anders griff. Ich griff sie extrem fest, auch damit mir nichts aus den schwitzigen Händen fällt. Oder ich griff sie gar nicht, um die Kälte und den Schweiss nicht spüren zu müssen. Anders gesagt: Weil ich mich nicht an der Welt festhalten konnte, hielt ich mich an mir selbst fest. Sprich: verkrampfte mich.

    - Das alles tausendfach einstudiert mit den immer gleichen krampfhaften Bewegungen. Eine Einstellungsänderung oder Psychotherapie half da nichts. Viele Ärzte*innen und v.a. Therapeut*innen, das ist meine Erfahrung, sprechen von psychosomatischen Beschwerden. Aber ich habe meist gerade das Gegenteil erfahren, man nennt das wohl Somatopsychologie. Die körperlichen Beschwerden führten zu psychischen Beschwerden.

    - Noch eine unheilige Allianz zwischen HH und Schmerzen: Als ich noch Ionto durchführte an den Händen, verschlimmerte die Therapie die Schmerzen massiv, und zwar nicht nur an den Händen, sondern die Arme hinauf in Schultern und Kopf. (Dabei handelt es sich aber anscheinend um eine sehr seltene und nicht aufgelistete Nebenwirkung, also keine Angst vor Ionto!).

    Ich könnte die Liste noch weiterfahren; für mich ist der Zusammenhang evident. Vor allem auch jetzt, da es mit dem Schwitzen besser geht (seit der ETS fast immer ganz trockene Hände, KS fast nur bei Hitze und Sport). Es geht auch mit den Schmerzen aufwärts. Nicht ganz von alleine, aber endlich schlagen die Übungen an. Gegen die Schmerzen, das nebenbei, hilft mir v.a. eine Massagepistole (Wunderwaffe!), kombiniert mit Teraband-Kraft- und Dehnübungen. Auch das Körperbild von Helga Pohl hilft viel (eine Körpertherapeutin, die in einem Buch sehr eindrücklich erklärt, wie verfilztes Bindegewebe allein zu unterschiedlichsten Beschwerden führen kann).

    Kleiner Exkurs: Die Massagepistole hilft mir auch bei einem HH-Problem. Wenn ich nach dem Auftragen von AHC Juckreiz habe, massiere ich die Stelle kurz mit der Pistole, und der Juckreiz ist vermindert oder ganz weg. (Ich brauche AHC in unterschiedlichen Dosierungen manchmal noch an Füssen, Achseln und im Schritt).

    Ich habe mich, wie gesagt, immer gefragt, warum man nicht mehr vom Thema liest. Mir scheinen zwei Erklärungen plausibel:

    - Vielleicht bin ich mit den beiden Problemen doch ein seltener Fall.

    - Oder die Hyperhidrose ist für viele so schlimm und akut, dass die Schmerzen in den Hintergrund treten. So ist es mir lange ergangen, obwohl ich z.B. meiner Mutter immer wieder erklären musste, dass das Schwitzen für mich das dringendere Problem ist als die Schmerzen. Für Normalschwitzer ist schwirig zu verstehen, dass Schwitzen schlimmer sein kann als Schmerzen. Bei der Ionto nahm ich für eine Verbesserung des Schwitzens sogar die Schmerzen in Kauf.

    Soviel zu meinen Erfahrungen. Es würde mich freuen, wenn jemand antwortet - kennt ihr das auch? Die Verspannungen, die mit einer HH einhergehen?


    Bedankt von: Marvie

  • AW: Hyperhidrose und Verspannungen

    von » 2 Wochen her


    Hallo Andreas, 

    ein ganz großes Dankeschön dafür, dass Du dieses Thema ins Forum "wirfst"!! 

    Besonders gefällt mir der Ausdruck "Somatopsychologie" - nämlich die Rückkoppelung der Psyche auf den Körper! 

    Ich war noch ein kleines Mädchen als ich bemerkte, dass mein Körper etwas macht, das andere nicht haben! Es war das Schwitzen an den Händen und ab der Pubertät, ca um das 13. Lebensjahr, nahm es fürchterliche Ausmaße an: die Schweißfläche unter den Achseln hat sich zeitweise bis zur Taille ausgedehnt und es kamen die Füße hinzu. Wenn ich alleine war, habe ich auf meine Handflächen gestarrt und schon sehr früh beschlossen, dass "DAS DA" nie jemand sehen darf !! Jedem Menschen würde vor mir ekeln oder, er würde sogar "in Ohnmacht fallen"! So drastisch waren meine Gedanken damals. Danach habe ich mich jeden Moment meines Lebens daran gehalten!

    Ich habe sehr früh meinen Partner kennengelernt und ihm kurze Zeit später von "diesen Anfällen" erzählt, die ich nicht steuern kann. Er meinte: "Das schaffen wir schon gemeinsam!"
    Wir sind heute noch ein Paar, Jahrzehnte später. 

    Ich habe eine kfm Ausbildung abgeschlossen und später im Berufsleben auch Fuß gefasst. Meine Berufslaufbahn war höllisch schlimm, weil ich unter Dauerdruck stand und bei Treffen mit anderen Menschen ebenso. Ich hätte nie gewusst, wie ich diese Fehlfunktion erklären soll. So haben ANGST und SCHAM mein ganzes Leben begleitet.

    Ich kenne eine Person, weiblich, sogar von Beruf Lehrerin, die sich noch im Alter von 55 Jahren einer ETS unterzogen hat.  Das zeigt mir, dass die Belastung auch mit zunehmendem Alter immer noch sehr hoch ist, und das nie aufhört.
    Ich selbst hatte mit 18 Jahren meine erste Migräne, ab dem 22. Lebensjahr immer höllische Verspannungen und dies hat so weit geführt, dass ich vor 5 Jahren die Diagnose "Fibromyalgie" (Muskel-Faser-Schmerz) erhalten habe. Ich hatte mehrere Zusammenbrüche, weil ich immer die doppelte und dreifache Leistung (privat und beruflich) gebracht habe. Ich denke, das habe ich gemacht, um mir über Leistung einen Wert zu geben. Wie oft habe ich mich mit der Hyperhidrose völlig wertlos gefühlt, besonders als Frau. Wie gern hätte ich offene Schuhe und ein Sommerkleid getragen........... wie gerne wäre auch ich einmal tanzen gegangen. Vielleicht im nächsten Leben.....

    Was meine ETS betrifft, darüber habe ich schon berichtet und dazu gerne noch ein anderes Mal. Es ist - besonders im Sommer - wieder die Hölle!

    Was die von Dir angesprochenen Verspannungen betrifft, so kann ich folgendes dazu sagen: meine Hyperhidrose hat mir einen dauerhaft hohen Stresspegel beschert.
    Bei Stress schüttet der Körper Hormone aus, die sich laut einem Wissenschaftsbericht, den ich gesehen habe, sehr wohl auf das Fasziennetz auswirkt.
    Es gab an der Uni Ulm Versuche, wo gezeigt werden konnte, dass die Faszien stärker "Schmerz ans Gehirn" melden, als es die Muskeln tun.
    Hierzu steht die Forschung ganz am Anfang. Aber es genügt, was wir spüren und Du bereits in Worte gefasst hast.

    Hyperhidrose wirkt sich in hohem Maß psychosozial aus!

    Ich hatte in meiner Kindheit noch andere Belastungen und so bestand mein Leben durchgehend aus Stress, wie eine Flamme, die  nie aufhört zu brennen. Man kennt mich als starke Frau. Dabei war das bloß mein Muster, um durchs Leben zu kommen. Vielleicht auch, damit mir andere ja nicht zu nahe kommen. 

    Seit kurzem habe ich eine weitere somatische Diagnose, die sich Ärzte nicht erklären können. Ich schon. Wie Du geschrieben hast, beginnt es mit Verspannungen und wenn auch diese über viele Jahrzehnte andauern, dann ......-manchmal habe ich das Gefühl, dass mein ganzer Körper eine einzige wunde Fläche ist. Nichts von dem, was Du geschrieben hast ist mir fremd, ich kenne auch das Buch von Helga Pohl. 

    Deine ETS wurde von einem Arzt ausgeführt, der sehr viel Erfahrung damit hat. Bei mir hat dieser Eingriff viele Spätfolgen. Ganz egal von welcher Seite ich es betrachte: Die Hyperhidrose hat mein Leben zerstört! Ich habe auch viele Entscheidungen getroffen, die ein gesunder Mensch niemals treffen würde, geschweige denn, gefordert wäre, darüber überhaupt nachzudenken.

    Für heute aber genug von mir!

    LG Marvie


  • AW: Hyperhidrose und Verspannungen

    von » 2 Wochen her


    Hallo Marvie

    Vielen Dank für deine Antwort, wenngleich es mir auch leid tut, von deinem Weg zu lesen. Wünsche dir ganz viel Kraft!

    P.s. Habe neben der Massagepistole vor einiger Zeit auch die Wim-Hof-Methode für mich entdeckt. Hilft mir wirklich viel, sowohl bei vegetativen als auch bei entzündlichen Prozessen! Wäre vielleicht ein Versuch wert?


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